Wie viel Förderung braucht der Kurzfilm?

10. Januar 2012 – 15:22

Irgendetwas läuft falsch. Gut, Kurzfilme werden allenthalben fast überall gefördert. Und dennoch beschleicht mich immer wieder das Gefühl, dass die Förderung des Kurzfilms zumeist als Gnadenbrot für ein wirtschafltich nicht relevantes Genre verstanden wird. Stopp. Gnadenbrot ist das falsche Wort – schließlich bekommt man das nur, wenn man alt und  ausgedient hat. Und  Kurzfilm ist doch gleichzusetzen mit Nachwuchsfilm – nicht wahr? So ist jedenfalls die landläufige Meinung. Nicht nur bei den vielen Fördereren, die einen Kurzfilm nur dann für förderfähig halten, wenn er von Nachwuchskräften gemacht wird. Schon mal in die verdutzten Gesichter geschaut, wenn man sich mit Mitte vierzig  noch dazu bekennt, dass man gerne einen Kurzfilm machen möchte? – “Das lohnt sich doch gar nicht” ist dann oft zu hören. Richtig. Aus wirtschaftlicher Sicht lohnt sich das nicht. Aber welcher deutsche Film hält diesem Kriterium schon stand?

Also: Kurzfilmförderung ist zuallerst Kulturförderung. Und manchmal auch Förderung von Forschung&Entwicklung in Sachen Filmsprache und Technolgie. Und für beides lohnt es sich, viel Geld auszugeben. Wie viel Geld ist aber für eine sinnvolle Kurzfilmförderung notwendig? Viele Fördertöpfe haben sich auf Fördersummen zwischen 10.000 und 30.000 Euro eingepegelt. Eine ordentliche Summe, dafür lässt sich schon was machen. Nur: Vernünftig professionell produzieren, das geht damit nicht. Frisch aus meiner Excel-Tabelle kommt z. B. die Kalkulation für einen 25 Minuten Film. Budget 155.000 Euro. Also wieder einmal nur finanzierbar mit einem großen Maß an Selbst- und vor allem Fremdausbeutung. Daran sind wir Kurzfilmmacher  schon gewohnt. Wie schön wäre es, wenn wir dank Förderung wenigsten ein bisschen Gage an die Mitarbeiter zahlen könnten!

Was also, wenn einige wenige Filme zumindest 50 oder 70% ihrer Kosten durch Fördermittel decken könnten – so wie das bei vielen Langfilmen durchaus der Fall ist? Letzten Endes würden das dann bedeuten, dass insgesamt mehr Geld an weniger Filme vergeben wird. Diese Schlussfolgerung liegt nahe. Aber wie immer gibt es auch Schlussfolgerungen, die nicht so nahe liegen. Wie wäre es gewesen, wenn z.B. das medienboard in 2010 die Gesamtfördersumme von 263.000 Euro nicht relativ gleichmäßig auf 12 Produktionen verteilt hätte, sondern stattdessen zwei Produktionen mit 80.000 Euro und 25 andere jeweils  mit 4.000 Euro  ausgestattet hätte.

Nur 4.000 Euro? Gerade habe ich doch geschrieben, dass selbst 15.000 oder 20.000 Euro zu wenig sind! Das stimmt. Aber ich bin auch der Meinung, dass man heute auch mit Micro-Budgets gute Filme machen kann. Der Digitaltechnik sei’s gedankt. Und deshalb wäre es mir ganz persönlich lieber, wenn einige echte Highlight-Filme finanziell gut ausgestattet werden. Dann könnten die vermeintlich Besten unter uns ihre Filme schnell, einfach und gut finanziert realisieren. Der Rest der Fördersumme kann dann breiter gestreut wird. Die Chance, echte Talente, die mit wenig Mittel gute und vor allem originäre Stoffe erzählen können, würde so steigen. Und wir Filmemacher würden uns wieder darauf besinnen, dass der Kurzfilm in seinem Namen das Wörtchen “kurz” trägt.